kajataer bote


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Erscheint zweimonatlich und enthält Neuigkeiten und Meditationen aus kajata. Sein Äußeres ist schlicht, sein Inhalt so bunt wie kajata selbst. Hier folgt die aktuelle Ausgabe.

Um den boten per e-mail (HTML-Format) zu bestellen genügt eine kurze Nachricht an: kajata@matavnet.hu.
Der Rundbrief kann auch auf dem Postweg bezogen werden (z.B. wenn wir ihn für die Mitglieder unserer Gruppe kopieren möchten).
Wer nur ab und zu (etwa einmal jährlich) Nachrichten aus kajata wünscht, kann sich auf eine seperate Adressenliste eintragen. Für Gruppenleiter und nahe Freunde, die über e-mail verfügen, unterhält Bruder István eine "private" Mailing-List. Hier gibt es auch persönliche Neuigkeiten und Ansichten, die nicht immer für eine breite Öffentlichkeit bestimmt sind. 


kajataer bote

Zweimonatliche Nachrichten und Meditationen aus Füzérkajata:
                                       vierter Jahrgang Nummer eins, zur Fastenzeit / im Herbst A.D. 1999
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"Blatt"
Gebet
Liebe Freunde!
Ich hab da eine Idee, wie wir diesen Jahrgang bewältigen könnten: der bote als Advent-bote. Zum Christkönigsfest soll die Nummer 2 erscheinen, zum 1. Advent die Nr. 3, undsoweiter :-)) Da dies aber meine erneute Verschuldung bedeuten würde, wird dieser Jahrgang wohl oder übel ins Jahr 2000 hineinreichen - es sei denn, wir lassen wenigstens ein bis zwei Nummern unter den Tisch fallen. Eher denke ich aber daran, mindestens jede 2. Nummer nur einem kleineren Kreis zu kopieren - es gibt da günstige Möglichkeiten. (In Österreich sagt man Freunderlwirtschaft dazu.) So würden sich wenigstens die Portokosten auf ein erträgliches Maß beschränken. In der Zukunft wird es von den Neubestellungen und vor allem von den Beiträgen abhängen, ob diese Idee greift, oder ob wir vollumfänglich auf freiwilliger Basis weiterwursteln können, oder aber noch eine andere Lösung gefunden werden muss. (Evtl. registriertes Blatt mit fixem Preis?)
F r ü h j a h r s n a c h r i c h t e n

Landestreffen der Grünen



Die jungen Umweltschützer der ostungarischen Stadt Böszörmény haben engagierte Profiarbeit geleistet. Ich hätte gerne die in Ungarn tätigen Umweltschutzgruppen und Umweltschützer besser kennengelernt, wozu ich auf diesem Forum auch reichlich Gelegenheit hatte. Unter den "Grünen" ist nicht in erster Linie eine politische Bewegung zu verstehen, denn die heimische Grünen-Partei ist ganz und gar unbedeutend. Vielmehr kommen jedes Jahr Basisgruppen, Einzelkämpfer und Naturschutzvereine zu einem Austausch und zur Koordination der Arbeit zusammen. Aufgrund meiner früheren Erfahrungen habe ich mich in die Sektion Verkehr gemeldet. Konkret arbeite ich daraufhin vor Ort an dem EUROVELO Projekt mit, in dessen Ramen quer durch Europa Radwanderwege markiert werden.
Ansonsten war mir mehr an der persönlichen Begegnung gelegen. Ergebnis: zwei, drei bleibende Freundschaften, zwei, drei Dutzend neue Bekannte, persönliche Begegnung mit Briefpartnern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (z.B. Donau-Freunde, Ökodorf-Bewegung, Umweltschutzministerium). Es ist auch gut, zu wissen, wer sich womit beschäftigt, welche Organisationen es überhaupt gibt und was die so leisten, wie effektiv sie sind. Ich habe die mir wichtiger erscheinenden Unterlagen mitgenommen, so kann ich z.B. vermitteln, wenn den einen oder die andere unserer Bekannten und Geschwister plötzlich der Wunsch ergreift, konkret etwas für die Schöpfung zu tun.
Es hat auch gutgetan, uns selbst und anderen zu verstehen zu geben: kajata hat einen starken ökologischen Aspekt. Der ergibt sich nicht nur aus der einzigartigen Lage des Dorfes in einer der unberührtesten Landschaften Europas, sondern vielmehr noch aus unserer christlichen Identität. Zwar sind wir nicht in erster Linie ein Naturschutzverein, aber für wiedergeborene Christen ist die Bewahrung der Schöpfung ein Herzensanliegen. Das hat sich in Ungarn noch nicht genügend herumgesprochen. Die Natur hat ihren Wert, jedes Geschöpf sein Recht auf Leben, uns wir sollen uns auch mal in die Schöpfung eingliedern, nicht nur über sie "herrschen", sie uns hemmungslos nutzbar machen. Das hat eine geistliche Seite - wir sehen den Schöpfer in der Schöpfung, aber auch eine moralische Seite - unsere Verantwortung für die nächsten Generationen und für die Armen, die  Opfer der Zerstörung unseres Lebensraumes werden,  in Mitleidenschaft gezogen auch durch die grenzenlose Ausbeutung der Ressourcen. Wir nähern uns dem Naturschutz daher von der geistlich-moralischen Seite her. Unsere Werte zeigen sich aber auf ganz konkrete Weise: Was kauf ich, was ess ich, was tu und lass ich? Wie kann ich mein Leben so gestalten, dass es einfach bleibt und dass ich die unnötige Vergeudung von Ressourcen und andere verantwortungslose Gewohnheiten vermeide?
Einige langjährige Teilnehmer haben mir gebeichtet, dass sich früher die beherzten Aktivisten getroffen und auch tatsächlich was vorangebracht hätten. Seit aber das Landestreffen auch eine Geldverteil-Funktion übernommen hat - die verschiedenen Initiativen und Organisationen einigen sich hier, wer im Großen und Ganzen welche Mittel aus dem staatlichen Umweltschutzfonds bekommt und wer in die Entscheidungsgremien entsandt wird - hat das Treffen einen sehr formalen Charakter angenommen und die konkreten Anliegen wurden in den Hintergrund und auf die Gänge verdrängt. Natürlich ist selbst mir als Neuling aufgefallen, in welchem Ausmaß die Plenumssitzungen von Verfahrensfragen dominiert wurden. Auch hier scheint durch, dass es sich wieder einmal um Prestige und Geld (= Macht) dreht. Macht vielleicht im denkbar positivsten Sinn, aber auch hier einige traurige Erscheinungen ...

Zeit, alle Kriege zu beenden!



Oder positiv formuliert: Für eine Kultur des Friedens! Dies war das Motto der neu aufgelegten Friedenskonferenz von Den Haag.
Mehrere wären wir gerne nach Den Haag gereist, als wir die Nachricht von dem Treffen erhielten. Als wir uns aber die Kosten vergegenwärtigen mussten, ist uns die Lust gleich verflogen, selbst hinzufahren und einen kajata-Stand zu besetzen. Mangels entsprechender Kontakte und Arrangements für "die Armen" konnten wir das nicht so billig lösen, wie damals in Graz. Auf dass wenigstens jemand teilnehme, habe ich noch im Vorjahr dank Vatis Kreditkarte die Teilnahmegebühr (ohne Kost und Logie) einbezahlt. Für Durchschnittsungarn ein gutes Netto-Monatsgehalt. Schon damit das Geld nicht verloren geht, habe ich mich trotz "Csönd-és-vásár" im Mai auf die Socken gemacht und bin auf abenteuerlichem Weg, aber gesund und sicher - ein moderner LKW = Reisen 1. Klasse - hin und zurück gekommen. Wegen der Auslagen für den "vásár" hatte ich überhaupt kein Geld mehr, und es ist mir auch gelungen, nach Holland zu fahren, ohne einen Groschen auszugeben.

Wir erinnern uns: genau vor 100 Jahren fand in Haag die erste Konferenz der Weltgeschichte statt, an der es nicht um die Beendigung eines Krieges ging, sondern um die Schaffung und den Erhalt des Friedens. In Haag wollten die Staatsmänner und die Vorgänger der Friedensbewegungen die Fundamente des Weltfriedens legen. Daraus ist u.a. der Völkerbund hervorgegangen, Vorläufer der UNO. Wir wissen nur zu gut um die Rückschläge der beiden Weltkriege, aber wir können uns auch vergegenwärtigen, dass ohne Haag und UNO, ohne die Proklamation der Menschenrechte unser 20. Jahrhundert wohl noch blutiger und grausamer ausgefallen wäre. Die haager Konferenz ist also nicht ergebnislos geblieben.
Den Organisatoren war klar, dass wir uns auf den wenigen Lorbeeren nicht ausruhen dürfen. Dennoch wurde das Treffen von der Hoffnung getragen, dass es nebst einiger vorprogrammierter Ergebnisse die Grundlage für einen Durchbruch im 21. Jahrhundert in Sachen Weltfrieden niederlegen möge. Dazu wollen jetzt die entsprechenden Anstrengungen und Weichenstellungen vorgenommen werden. Da inzwischen auch UNO- und Regierungskreise anerkannt haben, dass sie ohne die zivile Gesellschaft ziemlich auf verlorenem Posten stehen würden, hat man aus allen vier Winkeln der Erde sämtliche Organisationen und Aktivisten zusammengetrommelt. Stutzig macht nur, was wir ja auf der eigenen Haut gespürt haben, dass trotz einiger Gesten der armen Mehrheit der Menschheit eine Teilnahme in Haag praktisch versagt war. Nur wessen finanzkräftige Organisation es sich leisten konnte, oder wer über die entsprechenen Kontakte für eine Einladung verfügte, konnte anreisen. Wer allerdings wenigstens Zugang zu den neuen Kanälen der Kommunikation hat, kann sich mit einer Fülle von Material eindecken und bei Bedarf mit ein wenig Glück auch die notwendigen Kontakte knüpfen.

Es wurde auch auf internationaler Regierungsebene offiziell dem Jahrestag der haager Konferenz gedacht, auf dem Boden der Geschichte waren die Hauptakteure allerdings neben einigen Vertretern von Regierungen und UNO-Teilorganisationen jene Menschen, denen die Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit ein Herzensanliegen ist. Ungarn hab ich leider keine angetroffen, nur von einem einzigen jungen Ungarn habe ich gehört, der irgendeiner obskuren Organisation (New Age-Gruppe?) angehöre. Aus weit entfernteren Ländern sind Delegationen von über hundert Menschen angereist, auch darum hat mir die scheinbare Gleichgültigkeit in Ungarn zu denken gegeben. Diesen Leuten war es das Opfer wert, wir schmoren lieber im ranzigen Fett unseres historischen Erbes und bemühen uns nicht ausreichend, die Nachwehen des trianoner Friedens zu entschärfen, die auch heute noch das Klima in der Karpatenregion vergiften, einer sinnhaften europäischen Integration entgegenstreben und selbst die Gefahr einer Eskalation in sich tragen. Eine Antwort unsererseits mag sein, eines unserer zentralen Anliegen jetzt noch ernster zu nehmen: Laden wir unsere slowakischen, rumänischen, ukrainischen, südslawischen und sonstigen Bekannten zu einem der kajataer Treffen ein, damit in Zukunft die Dominanz der Ungarn in unserem Kreis abgebaut und dieser wirklich international wird. Wo aus verschiedenen Gründen eine Reise nach Kajata nicht möglich ist, dort tun wir doch vor Ort alles in unseren Kräften Stehende, damit wir den besten Traditionen des Zusammenlebens wieder auf die Sprünge verhelfen.
Die Tragödie Jugoslawiens hat ihren Schatten auch auf Den Haag geworfen. Aber auch aus Rumänien z.B. erreichen uns dieser Tage nicht eben ermutigende Signale hinsichtlich der politischen Kräfteverhältnisse. Wenn nun das "Wunder" ausbleiben sollte und die Kräfte der Vergangenheit dank der offensichtlichen Niederlage auf allen Fronten der demokratischen Kräfte wieder an die Macht kommen, dann fängt unsere Arbeit erst an. Jetzt haben wir noch Zeit, und auch dann werden wir Zeit haben - kajata ist immer aktuell. Für den Dialog ist es nie wirklich zu spät. Wenn aber schon die Waffen sprechen, oder wenn die Gesellschaft durch eine Art kalten Krieg des missverstandenen Nationalismus gespalten wird, dann müssen wir einen anderen Stil und andere Ausdrucksmittel finden, damit wir überhaupt verstanden und gehört werden. Nach meiner Rückkehr aus Australien (nach der Wende) hatte mein erster Zeitungsartikel zum Thema, wie sich während dem Kurzkrieg in Slowenien in der Bevölkerung das menschliche Mitgefühl und das entsprechende Handeln durchgesetzt hat. Damals wurden sogar die Grenzposten nach Österreich zerschossen, die jugoslawische "Volksarmee" hat sich aber nicht bloß am entschiedenen Widerstand der Milizen gerieben, sondern auch an einem Friedenswillen, der im Norden wohl besser entwickelt oder organisiert war, als weiter unten auf dem Balkan. Zwar war Slowenien aus strategischen Gründen bevorteilt, es ist dort aber auch nicht den 2 Prozent Extremisten gelungen, die ganze Gesellschaft gegeneinander auszuspielen.

Unter anderen bin ich Erzbischof D. Tutu über den Weg gelaufen (entschieden eine gewinnende, heitere, karismatische Persönlichkeit) und noch zwei anderen Friedensnobelpreisträgern - deren Namen ich peinlicherweise vergessen habe. Müsste nur nachsehen ... Aber ihr Gesichtsausdruck, ihre Botschaft steht mir noch lebendig vor Augen. So viele Nobelpreisträger auf so wenig Quadratmetern, einzigartig! Genauso habe ich aber das Gesicht und die sich darin spiegelnde Botschaft von vollkommen unbekannten Jugendlichen vor Augen. Über die Prototypen der sich wichtig vorkommenden Aktivisten und "Friedenskämpfer" habe ich lieber hinweggesehen. Interessiert haben die echten, einfachen Menschen, die ganz alltäglichen Helden, denen vielleicht klargeworden ist: Es gibt Zeiten und Orte, da genügt es nicht, anständig zu leben, da müssen wir das Wort erheben, da müssen wir handeln, und sei es symbolisch, oder ganz viele, damit die Mächtigen und deren Handlanger die Botschaft verstehen und merken, welche Stunde es geschlagen hat.
Ein ganz und gar "klassisches" Thema hat mich am meisten aufgewühlt: die Bilder von Hiroshima und Nagasaki. Ich konnte auch mit dem Fotografen sprechen, einem einfachen, hochsensiblen Menschen, der es sich zum Lebenswerk gesetzt hat, die Folgen der Detonationen bis heute festzuhalten. Einen sehr tiefen Eindruck haben auch die Filme in mir hinterlassen. Auch hier konnte ich einige der Regisseure, Darsteller und Akteure persönlich erleben, sie haben nicht nur ihre Werke vorgestellt, sondern sich auch ganz informell den Fragen und dem Gespräch gestellt, selbst wenn es um ganz schwierige und belastende Situationen ging. Das war Kino! Wer nur konnte, ist live angereist, um mitzumachen. Der Producer einer der beeindruckensten Filme kam auf die Minute aus Belgrad angereist, habe seine Adresse. Ich könnte jetzt freilich noch drei oder mehr ganze boten vollschreiben mit Erlebnissen, Eindrücken, Schlussfolgerungen ... Da gab es Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Rollenspiele, Programmarbeit, Vernetzung, Denkfabriken, Spontanaktionen, ja sogar regelrechte Kurse und Schulungen, und dazu Kultur in Hülle und Fülle. Am Besten hab ich mich aber doch im Peace Camp gefühlt. In einem Stadtpark konnten wir gratis zelten, mehr als hundert überwiegend junge Teilnehmer aus ärmlichen Verhältnissen, Rumänen, Finnen, Asiaten, holländische Gastgeber ... Im benachbarten Sportklub durften wir gratis kalt duschen, das Essen war Vollwert und gar nicht teuer - ein tschechisches Punk-Mädchen von der Küche hat mir gegen Hilfe beim Abwaschen jeweils Reste zugesteckt, um mein Müsli-Einerlei etwas aufzubessern. Ich mochte sie gerne leiden, diese Punk- und alternative Gesellschaft. Nur eines ist mir auf den Geist gegangen, diese subjektiv-individualistische Gefühlsduselei. Ein Wortwechsel macht vielleicht deutlich, was ich meine: "István, do you feel like getting a bucket of water for us?" - "Listen, mate, I don't feel at all like doing it, but come on, pass me that bucket!"

Csönd-és-vásár



Noch ein Thema für einen Roman. Da ich leider eben genug Zeit und Mühe hineingesteckt habe, möchte ich hier nicht viel davon schreiben. Wer des Ungarischen mächtig ist, findet im Web reichlich Info und einen ausführlichen Bericht. Ich möchte sogar meinen, trotz finanziellem Loch und sonstiger Engpässe hat es sich gelohnt, etwas für die Berufsanfänger und zukünftigen Studenten zu unternehmen. Es ist wichtig, Beruf und Berufung im Zeitalter des grassierenden Materialismus wieder in Relation zueinander zu stellen. Bis zu einem gewissen Grad ist uns das gelungen, obwohl die Bildungsmesse an und für sich Wunschdenken geblieben ist. Ich denke aber, das hat Zukunft. Ich bin mir aber im Klaren, dass jetzt die Gemeinschaft- und Gruppenarbeit wieder Priorität hat - der "vásár" ist da bloß eine Art Nebengeleise. Aber soweit es mir möglich ist, will ich helfen, dass eine Fortsetzung findet, was wir heuer angefangen haben. Freilich nur nebst einem entsprechenden Budget und ohne mich im Sekretariat. Fraglich ist, ob eine Veranstaltung nach dem Muster der westeuropäischen Bildungsmessen eher Erfolg hat, als ein alternativer "Gulyás-Rahmen" mit viel Freiwilligen und Pfeffer, aber mit mangelhaftem organisatorischen Hintergrund. Freilich erscheint nicht erst im Anbetracht des nicht eben menschen- und innovationsfreundlichen Klimas in der ungarischen Hochschullandschaft eine "zivile" Lösung sympathischer als eine von oben gesteuerte. Aber auch einer mittleren Lösung wäre ich nicht abgeneigt, umso weniger, falls es gelingt, die ursprünglichen Zielsetzungen zur Geltung zu bringen.

March of the Americas 



Während wir hier immer noch vom Westen das Heil erwarten, oder sich vielleicht angesichts des in greifbare Nähe gerückten EU-Anschlusses doch ein mulmiges Gefühl unseres Magens bemächtigt, greift in Amerika die Massenarmut um sich und nimmt die Abspaltung der Gesellschaft beängstigende Ausmaße an. Aus diesem Grund haben sich dieser Tage mehrere hundert Menschen von Washington D.C. aus in Marsch gesetzt, Richtung New York zum Sitz der UNO. Auf jeder Station persönliche Berichte, Konzerte, spontane Demos, ... Die Botschaft: sozialer Frieden ohne Gerechtigkeit ist nicht möglich. In Gedanken können wir diese Menschen ruhig mal begleiten. Im Netz finden wir von jedem Tag einen bebilderten Report. Es schadet ja nicht, sich ein Bild zu machen, damit uns die Entwicklung nicht überraschend trifft.

Die Aktion 2-20 tausend läuft an, die Planung für 2000 kommt auf Touren. Mach mit, schalt Dich ein mit Deinen Ideen und Deiner persönlichen Planung!

In den Spuren des Himmels grüßt Euch Euer Bruder István

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Kurznachrichten, Zitate:

"Diskret und demütig wie ein Bettler steht Gott der menschlichen Freiheit gegenüber..."
Henri Boulad zu Offenbarung 3,20
"In statistischen Lebensjahren gemessen können wir durch Radfahren (körperliche Bewegung, umweltschonende Fortbewegung) 20 mal mehr Zeit gewinnen, als wir potenziell durch die Gefahr eines tödlichen Verkehrsunfalles verlieren."
"Bringa-Hírek" <Velo-News> des ungarischen Radfahrerverbandes
"Das Dokument <die Gemeinsame Erklärung> ist ein Konsensdokument mit allen Stärken und Schwächen, die ein solches Dokument von Natur aus prägen," kommentiert Ekkehardt Müller, Vizedirektor des Bibelstudien-Institutes der Adventistischen Kirche. "In mancher Hinsicht hat ein bemerkenswerter Fortschritt stattgefunden. In anderer Hinsicht können immer noch Unterschiede wahrgenommen werden, zum Beispiel bezüglich des Begriffes Sünde. Einige dieser Unterschiede werden auch offen eingestanden. Manchmal scheint es, dass Begriffe neu definiert wurden, wie etwa jener der verdienstvollen Werke. Andere Fragen wurden nicht aufgegriffen, obwohl diese Lehren und Praktiken für das Verständnis von Gerechtigkeit aus dem Glauben sehr wohl von Bedeutung sind, wie etwa die Mariologie, oder der Ablass. Wir werden abwarten und sehen müssen, wie sich diese gemeinsame Erklärung nicht nur in der Theologie, sondern auch in der Glaubenspraxis der beiden Kirchen bemerkbar machen."
Quelle: Adventist News Network
EUROPÄISCHES UNGARN - UNGARNTUM IN EUROPA ist der Name einer Konferenz zum tausendjährigen Bestehen des christlich-abendländischen ungarischen Staatsgebildes. Zeit: 19.+20. Nov. 1999 (Freitag ab halb drei). Ort: Aula der Fakultät für Rechts- und Staatswissenschaften der Katholischen Pázmány Péter Universität (Budapest VIII., Szentkirályi u. 28-30.). Das Programm schicken wir auf Anfrage zu.

Die Emmanuel-Gemeinschaft lädt ein zu Wochenenden für Ehepaare nach dem Muster der französischen AMOUR et VERITÉ. Ziel ist es, die menschliche und geistliche Entfaltung der Familien zu unterstützen. Die Thematik geht von der Lehre der Kirche und von den Erfahrungen der Paare in der modernen Gesellschaft aus. Zeit: Oktober bis Jänner. Anmeldung und Info: László & Dóra Herbert, 1123 Budepest, Csörsz u. 1., Tel: 212 56 13.

Der Kantor der pester Synagoge in der Dohány-Gasse spricht am 8. November zum Thema jüdische Liturgie. Info: Ferenc Csikor, KÖD (Christlicher Ökumenischer Studentenklub), Tel: 209 42 52, e-mail: csikor@cs.elte.hu

Erster Ungarischer Web-Bewerb!

Am 17. Oktober hat sich das Team vom Flusslager auf der Theiss in Budapest ein Nachtreffen genehmigt. Nachdem sie in einige Vorlesungen der adventistischen Hochschule hineingeschnuppert haben, traf man sich bei Essen und Trinken zu einem Nostalgie-Treffen mit Bandys Videos und vielen, vielen Fotos. Für die Zukunft ist alles offen - von Spanien über Südamerika bis Australien sind alle Reiseziele ins Gespräch gekommen. Realistischer erscheint da der gemeinsame Rutsch ins neue Jahr.

Besten Dank Remo bácsi und Péter Tömpe für die tatkräftige Hilfe auf dem Bau im Frühjahr, bzw. für die einmalige Brunnenumfassung aus selbstbehauenem Kalkstein. Dank an alle Helfer um den "vásár", insbesondere an jene, die im Ernstfall eingesprungen sind. Gegebenenfalls ist aber auch die gute Absicht anzuerkennen, auch wenn es dabei geblieben ist.

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"...ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist!"

Ökumenisches Jugendtreffen in Nagyszõlõs

Vom 28. bis 30. Dezember 1998 haben sich zum sechsten Mal Jugendliche aus der griechisch- und römisch-katholischen sowie aus der evangelischen Kirche des Karpatenlandes (heute Teil der Ukraine, ehemals Ungarn-Österreich) getroffen.

Ab Montag Mittag sind nach der Reihe alle an der ungarischen Perényi Zsigmond Sekundärschule eingetroffen. Das Treffen eröffnete als Hausherr Pater Tihamér mit der Bekanntgabe des Programmes. Die Teilnahmer haben gleich zu Beginn zehn Gruppen gebildet.

Schon die erste Gruppenaufgabe war sehr interessant und konnte einen Publikumserfolg verbuchen. Jede Gruppe musste die Geschichte vom verlorenen Sohn darstellen, aber jeweils in einem anderen Genre, z.B. Pantomime, Lyrik, Märchen, Reklame oder aus der Sicht der Nachbarn. Den Gruppen standen fast zwei Stunden zur Einübung der Produktionen zur Verfügung. Nach der Überwindung des Lampenfiebers wurden da regelrechte Meisterwerke aufgeführt. Bei der Abendandacht haben die aus Ungarn angereisten Schwestern Judit und Anna mit ihren Gitarren den Ton angegeben. Nach der gemeinsamen Andacht gab es noch die Möglichkeit des persönlichen stillen Gebets.

Morgens haben wir den Tag mit der heiligen Messe und Gottesdienst begonnen. Nach dem Frühstück folgte der erste Vortrag von Pater János Juhász. Er ging von dem Chaos aus, das die Menschen dominiert, und zeigte auf, wie sehr die Sünde die Leute im Schach halten kann. Im Gruppengespräch wurde das Gehörte weitergesponnen.
Nach dem Mittagessen gab es eine Überraschung. Jede Gruppe kriegte ein paar Adressen, wo meistens alte Menschen oder Witwen lebten, mit der Aufgabe, überall hin ein Geschenkpaket zu bringen. Die alten Leutchen haben den Überbringern ihre Fotos gezeigt und mit ihnen die Sorgen ihres Alltags geteilt. Jemand fragte eine alte Tante, ob sie denn alleine wohne, worauf sie verneinte, weil der Herrgott sei mit ihr.
Nachmittags hörten wir einem griechisch-katholischen Priester zu, Levcsenkó Róbert, der uns ein wenig in die Tiefen der heiligen Dreifaltigkeit einführte. Darauf folgte wieder ein Gruppengespräch. Dazu gehörte diesmal, dass sich jede Gruppe auf ein Dankgebet vorbereiten sollte.
Noch vor dem Abendessen traf man sich wieder zum Forum, wo die Teilnehmer den anwesenden Pfarrern und Ordensschwestern Fragen stellen konnten. Sie haben viel von ihrer jeweiligen Berufung erzählt. Ich meine, dies hat dazu beigetragen, in uns allen das Bewusstsein für unsere jeweilige Berufung zu stärken.
Das Abendgebet haben wieder die Schwestern gehalten, gemeinsam mit einer klarissischen Nonne aus Frankreich. Jede Gruppe verlas ihr Gebet, zwischen den Gebeten sangen wir Lieder aus Taizé. Am Schluss der Andacht erteilte uns der franziskanische Bischof Majnek Antal seinen Segen.

Der letzte Tag begann ebenfalls mit Messe und Gottesdienst. Den letzten Vortrag hielt ein evangelischer Bischof im Ruhestand namens Gulácsy Lajos. Er erzählte uns über die Partnerwahl. Nachher hatte jede Gruppe die Möglichkeit, ihr Feedback zum Treffen auszuarbeiten, was von den Gruppenvertretern im Forum auch zur Sprache gebracht wurde.

Aufgrund der Eindrücke der Teilnehmer, die ich selbst gehört habe, denke ich, dass sich das Treffen mehr als gelohnt hat. Alle hatten Gelegenheit, aus den Vorträgen und Gruppengesprächen mit nach Hause zu nehmen, was sie brauchten. Es wurden wohl auch einige Freundschaften geschlossen, die ein ganzes Leben halten werden.
Es tat gut, zu spüren, dass wir als Nachfolger Christi eins sein können in Glaube, Hoffnung und Liebe, selbstverständlich auch im Gebet. Gebe Gott, dass es nicht nur bei uns im Karpatenland, sondern auf der ganzen Welt zu immer mehr solche Begegnungen kommt.

Mikulyák László aus Técsõ, heute bereits bei den Franziskanern in Szeged
 
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B  l  a  t  t      v  o  m      B  a  u  m      d  e  s      L  e  b  e  n  s

 "Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch den Frieden der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist."
Epheser 1, 1-6
 
Wir stehen und staunen vor einem der größten Paulusworte, die an der Schwelle zum großen Jubiläum an uns ergehen, im Jahr des Vaters. Die Worte sind gewichtig und eindeutig. Paulus zeigt uns hier in einer Nussschale, was das Wesentliche unserer Berufung ist, des Rufes von kajata. Der heilige Paulus ist zwar nicht der Matula bácsi aus der ungarischen Literatur- und Filmgeschichte, einem zähen, wortkargen Fährmann auf dem Plattensee, dessen jedes Wort Goldes wert war. Aber hier spricht er fast so konzentriert und eindringlich wie jener Onkel Matula. Er sagt es uns geradehinaus: Hört zu, ich bitte euch ... Bemüht euch! Ich bin ein Gefangener, jetzt seid ihr an der Reihe. Gefangener des Herrn wegen - schon seit der Wegkreuzung vor Damaskus, später als "Gast" Roms. Sein Schicksal ist besiegelt. Er bittet uns, dass auch wir uns der Gefangenschaft des Herrn für würdig erweisen. Würdig des Rufes, der hundert und tausend Gesichter hat, so wie wir den Herrn und Meister Jezus Christus selbst und die selige Gottesmutter auf hundert- und tausendfältige Weise darstellen, aber das Wesen des Rufes ist eins, eins ist das Ziel und die Richtung. Er ist an uns ergangen, wir haben ihn uns nicht verdient. Er verlangt ganze Übergabe, Entschiedenheit, ungeteilte Persönlichkeiten. Demut, Friedfertigkeit, Geduld, ... vor allem aber Liebe. So wie Gott euch zuerst geliebt hat, so liebt euch einander, damit die Welt weiß, wessen Nachfolger ihr seid, wessen Leibes Glieder ihr seid, wessen Geistes Kinder.

Vor der zentralen Erkenntnis: ein Gott und Vater aller, kommt vorher das Wesentliche der Ermahnung: ertragt einander in Liebe. Voraussetzung der rechten Erkenntnis Gopttes ist es, in der Liebe verwurzelt und gegründet zu sein. Glaube, Hoffnung und Liebe überschneiden sich sehr, sie haben alle drei eine gemeinsame Quelle und eine Stoßrichtung. Die Liebe ist aber die Größte, weil sie gleichzeitig selbst die Urquelle ist. Wir haben einen liebenden Vater im Himmel.

Der Apostel Paulus sagt nicht: Ihr sollt alle gleich denken und euch einheitlich verhalten. Er sagt: Seid eines Sinnes, behaltet euch die geistliche Einheit. Denkt mit einem Körper, dessen Kopf der Herr ist. Dazu ist "Demut" notwendig, Bereitschaft zum Frieden, Geduld - nicht eben die drei beliebtesten Eigenschaften in unserer modernen Gesellschaft. Aber die sind nötig, um die chronische Isolation zu überwinden, den Stolz und die trügerischen Gefühle. ("Fühle ich mich heute danach, die Schwiegermutter in Liebe zu ertragen, oder dem hilflosen Alkoholiker in der Nachbarschaft seinen Wasserkübel und seinen angekotzten Nachttopf herumzutragen?")

In unserem Glauben ist Hoffnung, die sich auf Liebe gründet. Es gibt ja nur ein Fundament, das den gesamten Kosmos durchwindet. Das zu erkennen, ist die allernatürlichste Sache der Welt, und doch auch die größte Leistung, zu der ein Mensch fähig ist. Der Mensch ist darum Mensch, weil er außer sich selbst noch was anderes kennt, jemand anderen, ein Gegenüber, und dieses Gegenüber anerkennt und mit ihm rechnet. Wo aus den Herzen diese Erkenntnis fehlt, da herrschen bald ganz und gar tierische Zustände vor. Da werden die Perlen in den Schmutz gestreut, da werden kurzlebige Werte aufgehäuft und bleibende Werte übersehen, verspielt. Die teure Zeit wird damit verplempert, sich Macht zu verschaffen und diese zu verteidigen, und zwar auf einem instinktiven, halb unbewussten Niveau. Statt sich um das Gemeinsame zu bemühen, wird in trüben Wassern gefischt und einander die Fische vor der Nase weggeschnappt. Darauf werden noch die modernen Knechte und Zudiener eingespielt und durchtrainiert, statt Wissen und Information zu teilen, damit diese sich selbst erhalten können und daneben noch für die Auftraggeber und füreinander arbeiten.

Der Friede Gottes: Ganzheit, Einheit. Dieser Frieden ist Nährboden des Glaubens, der wiederum das Grundprinzip unseres Lebens darstellt. Gott selbst hat kein Mensch gesehen und niemand kann ihn erforschen - aber schauen wir nur all das an, was er durchwirkt und worüber er ist und worin er ist, gehen wir den Spuren seiner Hände und seines Geistes nach. Unser Friede hat dann Bestand, wenn er sich auf dieses Fundament stützt, das der Schöpfer ausfüllt und zusammenhält.

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 Wir stehen an der Schwelle zum neuen Jahrtausend und danken Dir,
göttliches Kind, dass du zur Welt gekommen bist,
dass du in jedem Menschenherzen das Feuer der Liebe anfachst,
dass du uns lehrst, zu lieben. Alle, grenzenlos.
Bitte hilf uns, im anderen den Bruder und die Schwester zu erkennen,
unsere Schwächen demütig einzugestehen
und nach dem Willen des himmlischen Vaters
in Einheit an einer schöneren und glücklicheren Welt zu bauen.
Amen!
(Gebet einer Gruppe des Karpatenland-Jugendtreffens)
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Nullnummer

Andere alte Nummern werden auf Wunsch per Post zugesandt, sofern noch vorhanden.
(Auf Deutsch gibt es vor allem noch die Printausgabe I/1 und II/3, die in Druck gegangen sind - EÖV Graz - sonst wurde ja nur fotokopiert und zwei oder drei Nummern sind total vergriffen. Wenn wir sie gelegentlich einmal auftreiben, müssten sie wieder neu eingetippt werden, wie auch die anderen hier nicht aufgeführten Nummern, wenn sich das wer antut.)